Samstag, 25. Oktober 2025

Pferdekauf: Worauf man achten sollte

Hallo ihr Lieben,
Ich bin Pferdefrau durch und durch und Trainerin im Westernreiten (EWU). Heute wollte ich ein paar Tipps aus über 20 Jahren Pferdeerfahrung teilen.

Der Kauf eines Pferdes ist für viele Reiterinnen und Reiter ein großer Traum – aber auch eine Entscheidung, die wohlüberlegt sein sollte. Schließlich geht es nicht nur um eine emotionale Bindung, sondern auch um Verantwortung, Zeit und Geld. Damit der Traum vom eigenen Pferd nicht zum Albtraum wird, findest du hier ein paar der wichtigsten Punkte, auf die du beim Pferdekauf achten solltest.

 


  • 1. Die richtige Vorbereitung

    Bevor du überhaupt ein Pferd besichtigst, solltest du dir klare Ziele und Erwartungen setzen:

    • Was möchtest du mit dem Pferd machen? Freizeit, Turnier, Zucht, Westernreiten, Dressur oder Springen?
    • Wie viel Erfahrung hast du? Ein junges, sensibles Pferd ist nichts für Anfänger. Desto kürzer deine Erfahrung ist, desto erfahrener und älter sollte dein Pferd sein. Jungpferde brauchen eine sichere und führende Hand. Pferde merken Unsicherheit extrem, noch dazu sollte man wissen was man tut.
    • Wie viel Zeit steht dir zur Verfügung? Pferde brauchen tägliche Pflege, Bewegung und Zuwendung, da ist es mit 30min am Tag nicht getan - auch nicht in Vollpension.
    • Wie hoch ist dein Budget? Neben dem Kaufpreis fallen laufende Kosten für Stall, Futter, Hufschmied, Tierarzt, Versicherungen und Ausrüstung an.


    💡 Tipp: Erstelle dir eine ehrliche Checkliste mit deinen Wünschen und Möglichkeiten – sie hilft dir, die richtige Entscheidung zu treffen.



    2. Die Auswahl des passenden Pferdes

    Wenn du weißt, was du suchst, kannst du gezielt nach passenden Pferden Ausschau halten. Gute Quellen sind:

    • Pferdevermittlungen und Verkaufsportale (z. B. ehorses, caballo-horsemarket, EbayKleinanzeigen, Quoka etc.)
    • Reitschulen oder Züchter
    • Empfehlungen aus deinem Stall



    Achte bei Anzeigen auf:

    • Aussagekräftige Fotos und Videos
    • Klare Angaben zu Alter, Rasse, Ausbildungsstand, Charakter und Gesundheitszustand
    • Transparente Preisangaben



    Sei skeptisch bei:

    • Sehr günstigen Angeboten („Schnäppchen“, hier ist meist etwas im Argen)
    • Fehlenden Informationen
    • Druck („Viele Interessenten, du musst dich schnell entscheiden!“)



    3. Die Besichtigung – der erste Eindruck zählt

    Beim Probereiten solltest du dir Zeit nehmen. Beobachte das Pferd vom Moment an, in dem es aus der Box oder dem Paddock kommt:


    • Wie reagiert es auf Menschen?
    • Lässt es sich problemlos führen, putzen und satteln?
    • Wirkt es ruhig oder nervös?
    • Wie ist der generelle Gesundheitszustand? Sieht es ungepflegt aus, ist es mit Schrammen übersäht? Wirkt es vil sediert? 



    Beim Reiten:

    • Lässt sich das Pferd willig an die Hilfen stellen?
    • Ist es taktrein, aufmerksam und ausgeglichen?
    • Entspricht das Reitgefühl deinen Erwartungen?



    👉 Tipp: Lass am besten eine erfahrene Person oder deinen Reitlehrer mitkommen – vier Augen sehen mehr als zwei. Lass dir das Pferd auch vorreiten, wenn jemand nicht Vorreiten möchte passt meistens etwas nicht.



    4. Der Gesundheitscheck – unverzichtbar!

    Vor dem Kauf sollte immer eine tierärztliche Ankaufsuntersuchung (AKU) stattfinden.

    Diese wird von einem unabhängigen Tierarzt durchgeführt und kann je nach Umfang (kleine oder große AKU) Folgendes beinhalten:


    • Allgemeine Untersuchung (Atmung, Herz, Augen, Zähne, Haut, Gliedmaßen)
    • Überprüfung des Bewegungsapparates
    • Röntgenbilder (bei teureren oder Sportpferden sehr empfehlenswert)
    • Blutuntersuchung


    💬 Warum ist es so wichtig?

    Auch wenn das Pferd auf den ersten Blick gesund wirkt – versteckte Probleme wie Arthrose, Spat oder Atemwegserkrankungen können später hohe Kosten verursachen. Bei Westernpferden ist die sogenannte "Hufrolle" immer weiter verbreitet, diese z.B bewirkt dass das Pferd irgendwann nicht mehr geritten werden kann!


    5. Der Kaufvertrag

    Ein schriftlicher Kaufvertrag ist Pflicht – selbst bei Privatverkäufen. Er schützt beide Seiten und klärt wichtige Punkte wie:


    • Genaue Beschreibung des Pferdes (Name, Chipnummer, Alter, Rasse, Farbe)
    • Kaufpreis und Zahlungsmodalitäten
    • Gesundheitszustand (z. B. bekannte Mängel)
    • Haftungsausschlüsse
    • Eigentumsübergang und Risikoübernahme



    📜 Tipp: Lass den Vertrag von einer fachkundigen Person (z. B. Anwalt oder erfahrenem Pferdehändler) prüfen.



    6. Nach dem Kauf – die Eingewöhnungsphase

    Nach dem Kauf beginnt die spannende Kennenlernzeit.

    Gib deinem neuen Partner Zeit, sich in seiner neuen Umgebung einzuleben. Stress durch Umzug, neue Stallgenossen und Futterumstellung kann das Verhalten kurzzeitig verändern.


    Setze auf:

    • Ruhige Gewöhnung an neue Abläufe
    • Vertrauensaufbau durch Bodenarbeit
    • Regelmäßige, angepasste Bewegung
    • Gesundheitscheck durch Tierarzt oder Osteopath nach einigen Wochen




    Fazit: Ein Pferdekauf ist Vertrauenssache

    Der richtige Pferdekauf erfordert Geduld, Wissen und Bauchgefühl.

    Wer sich Zeit nimmt, ehrlich zu sich selbst ist und Expertenrat einholt, wird langfristig mit einem treuen Partner belohnt.


    Ob Freizeitpferd oder Sporttalent – das Wichtigste ist: Die Chemie muss stimmen.



     

    LG Lena / Caprice 

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